Wir haben uns im letzten Jahr so in diese kleine Insel verliebt, dass wir kurzerhand beschlossen haben: Ærø wird ab jetzt jedes Jahr zu unserem Hochzeitstag angefahren. Passt ja auch — Ærø ist so etwas wie die inoffizielle Hochzeitsinsel Dänemarks 😉 Also im Mai 2025 wieder los, diesmal gleich für acht Nächte.
Wieder Fynshav, wieder Søby
Die Fähre buchen wir jedes Jahr vor, rund 100 Euro kostet die Überfahrt hin und zurück. Der 2. Mai war dann kein Tag für Sonnenbrillen: grauer Himmel, graues Wasser, weißer Schaum im Kielwasser, und wer an der Reling stand, hatte den Wind im Kragen. Irgendwann schob sich der Skjoldnæs-Leuchtturm aus dem Dunst, davor ein Golfplatz, viel zu grün für diesen Tag. Der Turm steht seit 1881 auf der Nordspitze, zweiundzwanzig Meter aus Bornholmer Granit, gemauert von schwedischen Steinmetzen. Geheiratet wird da oben übrigens auch — aber dazu später mehr.
Um halb eins standen wir in Ærøskøbing, und weil wir inzwischen wissen, wo es langgeht, ging es sofort an den Hafen zum Ærøskøbing Røgeri. Wir saßen auf einer Bierbank auf dem Kopfsteinpflaster, Fisch auf dem Pappteller, Bier im Plastikbecher. Dort ist alles gut, und wir haben uns in der Woche einmal quer durch die Karte gearbeitet: ein Stück Lachs, außen dunkelrot und mit gerösteten Zwiebeln bestreut — und an einem der letzten Abende zwei Fiskefrikadeller, die wir in der tief stehenden Sonne noch draußen gegessen haben. Der geräucherte Fisch kommt dort grundsätzlich kalt auf den Teller. Heiß sind nur die Pommes, und die kommen aus der Heißluftfritteuse — ganz ohne Fett. Mein Favorit ist und bleibt der Hellefisk.
Und tatsächlich: Während wir aßen, riss der Himmel auf. Nachmittags war die Ostsee dann so flach und klar, dass man den Tang auf dem Grund liegen sah, dazwischen Findlinge mit orangen Flechten und ein Strand voller Muschelbruch.

Der Platz, der Ort und sehr viel Eis
Der Stellplatz ist wieder derselbe: drei Plätze an der Marina, nach wie vor nicht buchbar, also wieder auf gut Glück — und wieder hat es geklappt. Der Preis ist stabil geblieben, Strom inklusive. Bezahlt wird am Automaten, und als Rechnungssteller steht auf dem Beleg die örtliche Altenpflege. Entweder habe ich da etwas gründlich missverstanden, oder unsere Stellplatzgebühr fließt direkt in die Beherbergung dänischer Senioren. Von der Wiese aus schauen wir über das Wasser nach Fünen, im Rücken die Altstadt, fünf Minuten zu Fuß. Krümel und Tigger haben die Woche größtenteils hinten im Bett verbracht. Für Kater ist so ein Stellplatz offenbar vor allem ein Ort, an dem endlich mal Ruhe ist.
Die Altstadt ist der eigentliche Grund, warum wir hier eine Woche verbringen können, ohne uns einen Plan zu machen. Altrosa neben Senfgelb neben Ochsenblutrot, mintgrüne Fensterrahmen, orange Ziegel, Kopfsteinpflaster bis vor die Haustür, davor ein Rosenstock, der bis unter die Fenster im ersten Stock reicht. In einem Fenster stand eine Porzellanfigur und präsentierte der Gasse ihren blanken weißen Hintern.
Vormittags haben wir uns mehr als einmal in Den Gamle Købmandsgaard am Torvet an einen der alten Marmortische gesetzt. Der Kaufmannshof stammt aus dem 19. Jahrhundert und stand irgendwann vor dem Aus — bis Leute aus dem Ort einen Verein gründeten und ihn zurückholten. Heute steckt alles zusammen unter einem Dach: Laden, Café, und im Hinterhof wird sogar gebrannt. Hinter unserem Tisch stand eine ganze Wand voll Rum, Bitter und Aquavit. Auf dem Tisch heiße Schokolade mit einer Haube Sahne obendrauf und ein Schokocroissant.
Einmal waren wir im Ærø Museum, ein paar Schritte weiter in der Brogade. Das Haus war ursprünglich die Landvogtei, 1775 gebaut, seit 1955 sitzt das Museum darin. Es erzählt vor allem das, was dem Städtchen von außen keiner ansieht: dass Ærø jahrhundertelang Grenzland war, zum Herzogtum Schleswig gehörte und erst 1864 endgültig bei Dänemark landete. Dazu Gewichte, Längenmaße und Münzen aus dem Ostseehandel. Am besten gefallen hat mir ein altes Werbeplakat: „Eventyrbyen i Danmark“ steht darüber, die ganze Stadt aus der Vogelperspektive gezeichnet, mit Störchen, Seglern und Sonnenschirmen — und unten der Dampfer nach Svendborg. Anderthalb Stunden, dreißig Autos. Sehr informativ, das Ganze. So sind dänische Museen ja oft: klein und informativ.
Eis gab es täglich. Nicht fast täglich — täglich. Das Ærø Ismageri wechselt sein Angebot ständig, an unserem ersten Tag standen zweiundzwanzig Sorten auf der Karte, von Sanddorn über Holunderblüte und Stachelbeere bis zu „Koldskål“ und der Hausmarke „Ærø Special“ mit Walnuss und Ahornsirup. Einen Ausreißer nach unten gab es in der ganzen Woche nicht. Das ist ungelogen eines der besten Eis, die ich je gegessen habe.
Einmal sind wir am Wasser entlang aus dem Ort heraus zu den Badehäuschen gelaufen. Die stehen in einer langen Reihe auf dem Deich, gelb, flieder, dunkelblau, hellblau, und davor liegt eine Salzwiese mit Prielen und Schafen. Ein schwarzes Lamm trottete zum Wassereimer und ließ sich von uns überhaupt nicht beeindrucken.

Besuch von der AMANDA
Am Abend des fünften Tages machte direkt neben uns ein Frachter fest: die AMANDA, schwarzer Rumpf, der Name in weißen Lettern am Heck. Am nächsten Morgen ging es dann früh los. Ein Bagger, ein Schaufellader, Absperrband über den halben Platz und LKWs im Fünf-Minuten-Takt — anderthalb Tage lang wurde Getreide verladen, keine dreißig Meter von Emma entfernt. Ein Berg heller Körner auf dem Kai, die Schaufel kippt, der nächste LKW rollt an.
Ein wenig nervig war das schon. Vor allem hat es unglaublich gestaubt, an draußen sitzen war zwei Tage lang kaum zu denken. Aber dagegen kann man ja nichts tun, und ehrlich gesagt war es auch spannend: Ærøskøbing ist eben kein Freilichtmuseum, sondern ein Hafen, der arbeitet. Die AMANDA ist übrigens in Marstal beheimatet und soll der letzte Coaster sein, der von dort noch fährt. Einer. Von einer Insel, die früher voll davon war.

Zweiunddreißig Jahre und eine Paella
Am 6. Mai war Hochzeitstag, der zweiunddreißigste. Womit wir wieder bei der Hochzeitsinsel wären: Auf Ærø werden jedes Jahr ein paar tausend Ehen geschlossen, und die allerwenigsten davon von Dänen — 2017 hatte nur bei jeder fünfzigsten Trauung überhaupt einer der beiden einen dänischen Pass. Der Grund ist ziemlich unromantisch: Dänemark verlangt für eine Eheschließung deutlich weniger Papier als die meisten anderen Länder. Kopfsteinpflaster und Leuchtturm gibt es dann gratis dazu.
Gefeiert haben wir im Restaurant Bonsack im Hotel Ærøhus, mitten im Ort — dänische Klassiker und spanische Küche unter einem Dach, und in der Küche steht tatsächlich ein Spanier. Reserviert hatten wir nicht — ein Anruf kurz vorher, ob sie einen Tisch haben, reicht zu der Jahreszeit vollkommen. Es gab Skaldyrsuppe vorweg, danach die Paella Valenciana, zum Nachtisch Pandekager mit Eis und Marmelade, dazu Ærø-Bier aus der Flasche.
Die Paella war tatsächlich authentisch, keine Frage. Sie wird auch erst ab zwei Personen überhaupt gekocht, was wir sympathisch fanden. Am Ende standen dann 300 Euro für zwei Personen auf der Rechnung, mit Vorspeise, Nachtisch und Getränken. Völlig überteuert. Aber es war ja auch Hochzeitstag.
Drei Hebel bei Marstal
An der Marina in Ærøskøbing gibt es keine offizielle Toilettenentsorgung. Also mussten wir wieder einmal quer über die Insel — was insofern kein Drama ist, als Ærø an seiner breitesten Stelle keine acht Kilometer misst und wir den Weg zu einer Rundfahrt gemacht haben.
Erst hoch zum Voderup Klint: türkisgrünes Wasser unter der Kante, darüber die grünen Terrassen und ein einzelner weiß blühender Schlehenbusch. Die Stufen sehen aus, als hätte sie jemand angelegt, sind aber Rutschungen — unter dem Hang liegt eine fette Tonschicht, auf der die oberen Bodenschichten in großen Blöcken Richtung Meer abgleiten. Dreiunddreißig Meter hoch ist die Kante und dreieinhalb Kilometer lang. Dann an der Südküste entlang, wo das Wasser dieselbe Farbe hat und auf der gegenüberliegenden Landzunge ein Rapsfeld leuchtete, als hätte jemand den Regler zu weit aufgedreht. Jemand hatte auf einem der Findlinge ein kleines Steinmännchen gebaut.
Und dann Marstal, und dort steht sie: die Entsorgungsstation. Ein kleines Bretterhäuschen mitten auf der Wiese, drinnen ein verzinktes Becken auf einem Fuß, ein roter Schlauch an der Wand, der Boden grün von Moos. Drei Hebel gibt es. Einen für unten, einen für den Schlauch — und der dritte hat mir fast ins Gesicht gespritzt. Gewöhnungsbedürftig ist dafür ein sehr höfliches Wort.
Der 8. und der 9. Mai waren dann, ganz ohne Foto, zum Faulenzen und Lesen da. An der Lakritzfabrik sind wir übrigens auch dieses Jahr wieder vorbeigekommen, ohne hineinzugehen. Nächstes Mal.

Fazit
Acht Nächte auf Ærø sind kein bisschen zu lang gewesen. Wir sind zwei Mal mit Emma losgefahren und haben ansonsten den ganzen Ort zu Fuß gemacht. Das reichte vollkommen. Ein Programm hatten wir nicht, und wir haben auch keines vermisst.
Auf der Rückfahrt stand Emma auf dem Fährdeck zwischen einem grünen Fendt und einem roten Kartoffelroder eingeklemmt. Auch das gehört zu dieser Insel.
Nächstes Jahr also wieder. Der Termin steht ja fest 😉
Der Platz: Marina Ærøskøbing, drei Stellplätze direkt am Hafen, nicht reservierbar — im Mai hatten wir zweimal in Folge Glück. Preis unverändert gegenüber 2024, Strom ist inklusive, bezahlt wird am Automaten. Eine Toilettenentsorgung gibt es hier nicht, die nächste steht in Marstal.
Die Fähre: Fynshav–Søby, rund 100 Euro für Emma hin und zurück, unbedingt vorbuchen.
Bilder von der Woche




























